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Alt 23.08.2007, 20:42
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Rieslingrübe Rieslingrübe ist offline
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Zitat:
War die große Zeit der Abwehrspieler nicht gerade vor dem Aufkommen des Topspins ?

Natürlich streifte diese Spezies vor fünfzig und mehr Jahren noch im Rudel, später dann - zumindest in der erweiterten Weltspitze - wesentlich weniger verbreitet durch die Sporthallen.
Trotzdem mal zur Orientierung: Die ersten ´echten´ Topspinspieler betraten so Anfang der Sechziger Jahre die Weltbühne. Nicht von ungefähr standen sich 1962 im Endspiel der Europameisterschaft Hans Alser und Erich Arndt gegenüber - beide hatten bereits stark überrissene Bälle im Repertoir.

Die Beläge, die dies damals ermöglichten, waren zuerst Stiga bzw. Yasaka Backside (in rot, blau u. grün); später insbesondere Butterfly Tempest und Yasaka Cobra. Ab 1967 kam dann schon der Sriver auf den Markt - zwei, drei Jahre später Mark V.

Auch wenn einige Europäer und Asiaten mit diesem Material den Defensivspezialisten der damaligen Zeit (Schöler, Börszey etc.) ganz schön zusetzten, so besaßen diese Ausnahme-Akteure hier doch häufiger eine Chance. - So richtig abgeschossen wurden der deutsche Vizeweltmeister und andere dagegen auf internationaler Bühne zumeist von eben den Chinesen im Penholderstil mit kurzen Noppen außen, wie dem dreimaligen Champion Chuang Tse-Tung.

Im Vergleich dazu waren die ´Bananenspins´ von Hasegawa und Itoh deutlich berechenbarer und nicht derart tödlich. Bekanntlich blieben Chinas Asse - bedingt durch die Auswirkungen der Kulturrevolution - den Weltmeisterschaften 1967 und 1969 ja leider fern. Der jeweilige Titelgewinn - ja ein Finaleinzug überhaupt - der beiden oben genannten Topspin-Japaner (aber auch von Schöler*) wäre ansonsten mit hoher Wahrscheinlichkeit kaum möglich gewesen.

In einer Blütezeit der fiesen Flatterbälle und Langnoppenbeläge ohne große Beschränkungen (teilweise noch nach der Einfarbenregel) in den 80er Jahren, hielt zum Beispiel der damals weltbeste Abwehrspieler, Chen Xinghua, gegen Backside-Reißer wie Guo Yuehua, Waldner und Co. durchaus bei bedeutenden Turnieren gut mit. - Ging's jedoch gegen böse Noppen-Buben wie Jiang Jialiang oder Chen Longcan, gab's in der Mehrheit deftig auf die Glocke (mit und ohne Stallregie).

Diese können bzw. konnten mit ihren geriffelten Kurznoppen auf Unterschnitt übrigens auch moderat anziehen; der Abwehrer bekam dann in derart ´halbtote´ Bälle meist nicht viel rein - und prompt wurde knallhart nach geschossen. Im Grunde ganz simpel und hocheffektiv.

Selbst sehr moderne u. offensiv eingestellte Abwehrer wie Ding Song und Co. sind und waren gegen diese Spielertypen (Liu Guoliang zählte auch noch dazu) oft recht ratlos.



* Zeitgenössische Quellen berichteten zwar immer mal wieder von einer groben Benachteiligung Eberhardt Schölers durch den straffen Zeitplan mit deutlich zu kurzen Ruhepausen (insbesondere vor seinem Halbfinalspiel bei der WM 1965) - gegen Chuang wär' aber selbst in topfrischem Zustand nix drin gewesen, maximal etwas Ergebniskosmetik.

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Alle Wege münden in schwarze Verwesung.... .. (Georg Trakl)

Geändert von Rieslingrübe (23.08.2007 um 21:47 Uhr)
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