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Alt 03.09.2007, 01:00
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AW: Prause beschimpft chinesische Schiedsrichterin

Zitat:
Zitat von henrypijames Beitrag anzeigen
Ich weiss nicht, wovon du sprichst. Quelle?
Ich hatte es in einer Fernehsendung gehört, weiß aber nicht mehr, in welcher.
- Deshalb habe ich mal kurz eine Suchfunktion betätigt, und wurde massenweise fündig, z.B.:


LIFE-GO.DE


China und Olympia - Zwischen Boykott und Zuversicht (Teil 2)
31.08.2007 von A. Bünnig

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www.hollandinchina.org
Im August 2008 beginnen die ersten Olympischen Spiele, die in China stattfinden. Die Vergabe an das Reich der Mitte ist umstritten und ein Jahr vor Beginn mehren sich die Zweifel, die einen Boykott der Wettkämpfe erreichen wollen. Life-Go beschäftigt sich in einer zweiteiligen Reihe mit dem Thema. Im ersten Teil ging es um die politische Situation im Land, die für Kritik sorgt. Der zweite behandelt die Sorgen von Umweltschützern und Doping-Experten.

Luft zum Durchschneiden

Die Wirtschaft boomt. Für das Jahr 2007 wird ein Wirtschaftswachstum von etwa neun Prozent erwartet. Damit ist China gemeinsam mit anderen asiatischen Staaten wie Indien, der Motor der internationalen Ökonomie. Für die stetige Vergrößerung der Produktion braucht das Land Energie und Rohstoffe in großen Mengen. Kohlekraftwerke, Stahlwerke und andere Fabriken sind wahre Luftverschmutzer. So werden Massen an schädlichen Partikeln in die Atmosphäre abgegeben. Besonders im Sommer werden die Konsequenzen sichtbar: Peking liegt wochenlang unter einer dichten Dunstglocke.

Die Umweltproblematik ruft nicht nur Gruppen wie Greenpeace auf den Plan, die einen Ratgeber für „grüne“ Spiele verfassten, sondern auch Funktionäre, die eine andere Problematik im Auge haben. Die starke Verunreinigung der Luft könnte zu gesundheitlichen Problemen der Sportler führen. Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, warnt daher, dass Ausdauersportarten, wie etwa das Straßenradrennen, möglicherweise verschoben werden könnten.

Das ausgerechnet Peking, eine der schmutzigsten Städte der Welt, mit dem Motto der „grünen“ Spiele angetreten ist, hat verwundert. Bis zum Beginn der Spiele soll auch hierfür eine Lösung gefunden werden: Die chinesische Regierung erteilt ein Fahrverbot für eine Million Autos in der Stadt. Im August 2007 soll es eine Generalprobe geben und ein zweiwöchiges Fahrverbot verhängt werden. Nicht nur Autoabgase sollen vermindert werden, auch ganze Fabriken aus dem Großraum Peking wurden an andere Standorte verlegt werden, um die Luftqualität zu verbessern.

Doch die Regierung hat noch einen anderen Trick auf Lager. In ihrem Willen alles unter Kontrolle zu haben, wollen sie auch das Wetter für sich nutzen. So beschäftigen sich Meteorologen zurzeit mit Methoden, wie künstlicher Regen erzeugt werden kann, der zur Reinigung der Luft dienen soll. Gleichzeitig wollen sie aber auch für sonnige Spiele sorgen. Daher erforschen chinesische Wissenschaftler, wie es mit Hilfe von Raketen gelingt, Regenwolken aufzulösen. Die Hightech-Spiele mögen beginnen.

Erythropoetin, Steroide und Co.

Olympische Spiele werden immer auch zur Imageaufpolierung und zu Propagandazwecken missbraucht. Der Wettkampf 1936 in Berlin diente einzig und allein der Profilierung des Naziregimes. Wichtig dabei ist vor allem, dass die eigenen Athleten besonders gut abschneiden. Totalitäre Regime neigen hauptsächlich dazu, Siege mit aller Macht zu erzwingen. Die DDR hat ihre Sportler systematisch gedopt, um ihnen Übermenschliches abzuverlangen. Auch heute noch ist Doping mit Erythropoetin (Blutdopingmittel), Steroiden (Wachstumshormone) und anderen Mitteln noch zu finden. Jüngstes Beispiel ist die Tour de France 2007.

Chinas Haltung zum Kampf gegen die verbotene Leistungssteigerung ist stark umstritten, so der Heidelberger Molekularbiologe Werner Franke. Vor allem die Tatsache, dass Kontrolleure der WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur) nicht zu allen Trainingscamps Zugang haben und daher viele chinesische Sportler nicht vor den Spielen untersuchen könnten, stellt einen entscheidenden Kritikpunkt dar. Außerdem sei das Reich der Mitte der führende Doping-Hersteller und Anbieter, was die Glaubwürdigkeit im Kampf durchlöchere. Die Tatsache, dass viele Sportarten – Schwimmen, Frauen-Leichtathletik oder Gewichtheben – von Dopingmitteln überschwemmt würden, spräche dafür, dass wohl vieles während der Olympischen Spiele unter den Tisch gekehrt würde, so Werner Franke. Und die Welt schaue zu, da sie sich mit dem Wirtschaftsgiganten gut stellen wolle.
Bisher schwebt ein Boykott der Spiele nur im Raum. Konkrete Maßnahmen sind noch nicht ergriffen worden, doch wären es nicht die ersten Wettkämpfe, die von Staaten geächtet wurden. 1976 in Montreal sind 16 afrikanische Länder nicht angetreten, da Neuseeland den internationalen Sportbann gegen das Regime in Südafrika, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gebrochen hatte. Vier Jahre später sind in Moskau die USA, die BRD und andere westliche Staaten (insgesamt 64 Nationen) zu Hause geblieben, um gegen den Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan zu protestieren. Die Retourkutsche ließ nicht lange auf sich warten und so blieben die meisten Ostblockstaaten, mit Ausnahme Rumäniens, den Spielen 1984 in Los Angeles fern.

Die Geschichte zeigt, dass die Boykotte nie etwas nutzten. Danach hat sich nichts geändert, sondern die festgefahrenen Situationen blieben bestehen oder verhärteten sich. Wird die chinesische Regierung etwas ändern, wenn andere Staaten nicht zu den Spielen kommen? Wahrscheinlich nicht, doch könnte die Austragung eine Chance darstellen. China will die besten Olympischen Spiele austragen, doch dazu muss sich das Reich der Mitte öffnen. Es muss einen Schritt in die richtige Richtung machen und selbst die kleinste Bewegung bedeutet schon einen Fortschritt.

Was ist Ihre Meinung zu den Olympischen Spielen in China? Sehen Sie es als Chance oder denken Sie, dass es ein Fehler war? Diskutieren Sie mit uns im Life-Go-Forum!


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Dieser Artikel ist zu finden unter:
http://www.life-go.de/artikel/966/Ch...ht-Teil-2.html

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