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Alt 03.09.2007, 13:17
Red Devil Red Devil ist offline
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AW: Prause beschimpft chinesische Schiedsrichterin

Zitat:
Zitat von stefan.s Beitrag anzeigen
Alles in allem ein weitgehend gelungener Beitrag; ich kann nur nicht verstehen, warum unter der Hand der schwarze Peter immer den Chinesen zugeschoben wird.

Prauses Verhalten war und bleibt eine Katastrophe; ein Timo Boll wird sich seinen Teil dabei denken.

Auch daß das chinesische TT einen solchen 'Fall' dazu benutzt, um einen großen Konkurrenten zu 'stören', ist einigermaßen absurd, denn aus dem chinesischen Selbstverständnis heraus existiert dieser Konkurrent so gar nicht.
Um Mißverständnisse auszuräumen, natürlich hat Prause den Streit als Urheber angezettelt und ist für die Reaktionen auf sein Verhalten alleine verantwortlich. Reaktion provoziert bekanntlich Gegenreaktion. Es geht nicht darum, den Chinesen unter der Hand den schwarzen Peter zuzuschieben. Prause hat eine angemessene Bestrafung verdient, das ist unstrittig. Was letztendlich überrascht, ist die Vehemenz der prinzipiell gerechtfertigten Reaktion. Hätte es eine "Nummer kleiner" und eine offizielle Protestnote ohne Medienrummel nicht auch getan? Information der Öffentlichkeit muss sein, aber direkt in diesem Ausmaß?

Vom chinesischen Selbstverständnis mag diese Konkurrenz offiziell nicht existieren. Warum wird aber Timo Bolls Spiel in Trainingscamps simuliert und in Interviews er als größter Konkurrenz betrachtet? Keine Frage, Vorbereitung, Studien des Gegners ist alles völlig normal, aber so ein ganz klein wenig Respekt ist wohl doch nicht von der Hand zu weisen. Ich habe kürzlich einige Berichte dazu in der DTS gelesen (Ausgabe 6-8, bin mir nicht mehr ganz sicher) Zugegeben, DTS ist keine chinesische Zeitung und Theaterdonner gehört vor großen internationalen Wettkämpfen eben einfach dazu. Das "Einreiseverbot" wurde im Zusammenhang mit einem möglichen Start in der kommenden Saison in der chinesischen Liga diskutiert und ist mit einer Portion Ironie zu betrachten.

Ich bin auch nicht blauäugig und betrachte solche strategischen Aktionen als legitim und auch nicht als typisches chinesisches Problem. Was wäre bei uns in der Bild, in spanischen, italienischen Gazetten, in den Niederlanden, im Hürriyet oder in "The Sun" in England in vergleichbaren Situationen so alles geschrieben worden. Die Briten hätten vielleicht sogar wieder das Kriegsvokabular aus der Tasche gezogen (wenn auch nur beim Fußball und nicht beim Tischtennis). Ein wenig Psychologie inmitten der Patriotismusdebatte sollte man also nicht gänzlich verleugnen und Verschwörungstheorien gehören heute in der PR-Arbeit leider mit dazu und werden von der Boulevardpresse immer gerne genommen.

Aber, und das ist entscheidend, die Chinesen haben den Streit nicht angefangen und sind eindeutig in der "Opferrolle". Prause ist als Initiator der "Täter". Das sollte nicht verkehrt werden und er sollte selbst bei einem vorzeitigen Abgang, der bei einer objektiven Betrachtungsweise prinzipiell genauso möglich ist wie ein Verbleib beim DTTB, keinesfalls als Märtyrer dargestellt werden. Eine faire Behandlung steht ihm zu, Mitleid ist nicht angebracht. Er hat die Situation schließlich selbst verursacht. Über die Angemessenheit der Gegenreaktion der Chinesen, manch einer mag sie als Überreaktion bewerten, und einer möglichen Bestrafung mag man etwas streiten, sachlich ist die Empörung des chinesischen Verbandes unter den zuvor dargestellten Fakten wie sie uns präsentiert wurden, gerechtfertigt. Insofern höchstens ein "Mini-Schwarzes Peterchen" an die Chinesen, wenn man der Auffassung ist, dass die Kritik etwas moderater hätte ausfallen können. Das ist aber Auslegungssache und ändert nichts am Sachverhalt, dass Herr Prause Bockmist gebaut hat.

Ich habe übrigens nicht behauptet, dass Prause dies bewußt angezettelt hat, sondern nur eine mögliche positive psychologische und gruppendynamische Reaktion beschrieben, die sich daraus entwickeln könnte. Das ist schon ein kleiner Unterschied.

Vielleicht werden sich die Verantwortlichen beim DTTB erst dann im Rahmen des Krisenmanagements offiziell melden, wenn sie eine Strategie entwickelt haben, wie sie die Kuh ohne größeren Imageverlust vom Eis bekommen und den Trainer zu halten versuchen. Die TT-Diplomatie dürfte auch Hochtouren laufen. Man ist sicherlich bestrebt, die Wogen durch eine öffentliche Berichterstattung nicht weiter hochkochen zu lassen und möchte in ein schwebendes Verfahren nicht eingreifen, um sich auch selbst eigene Handlungsspielräume nicht ohne Not einzugrenzen und der Gegenseite unfreiwillig zitierfähige Argumente zu liefern. Sowohl für den Fall eines Verbleibs als auch für einen freiwilligen / unfreiwilligen Rücktritt müssen Kommunikationsstrategien entwickelt werden, die allen Parteien ermöglichen, ihr Gesicht zu wahren und Kompromisse zu erarbeiten. So etwas liegt nicht so einfach in der Schublade. Insofern liegt hier ein Konflikt zwischen dem Recht auf Information aller TT-Mitglieder und den nationalen Verbandsinteressen vor. Sollte man aus sportlicher Sicht versuchen, den Trainer zu retten, müssen die weiteren Schritte präzise durchdacht sein und es sollte nur das kommuniziert werden, was im weiteren Verlauf des Konflikts keinen Schaden anrichtet. Insofern ist "weniger" - strategisch betrachtet - manchmal "mehr" und man sollte mit der PR-Abteilung des DTTB bei aller gerechtfertigten Kritik nicht zu streng ins Gericht gehen. Vielleicht ist dies im Sinne des Krisenmanagements genau die richtige Entscheidung - auch wenn sie uns derzeit nicht so recht in den Kram passt.

Gruß Red Devil

Geändert von Red Devil (03.09.2007 um 13:34 Uhr)
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