Zitat:
Zitat von Waterhouse
gehören da nicht zwei dazu? Man muss ja erst mal an Prauses Gefühlslage rankommen, sprich er müsste sich detailliert dazu äussern, denn er dürfte der einzige sein, der seine Gefühlslage kennt.
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In diesem Zusammenhang dürfte Prause auch gut beraten sein, seine "wahre" Gefühlslage aus Gründen des Selbstschutzes noch nicht offiziell zu äußern, um sich nicht selbst durch eine möglicherweise unbedachte Äußerung, die falsch oder zu seinen Ungunsten ausgelegt werden könnte, zu belasten und damit seine öffentlich vorgebrachte Entschuldigung zu entkräften. Sicherlich wird es in ihm mächtig brodeln und er steht gehörig unter Dampf. So etwas lässt niemanden kalt. Frühestens bei einer Anhörung im internen Kreis des DTTB dürfte er sich dazu im Rahmen einer Aussprache hinter verschlossenen Türen offen äußern, um seine Motive darzulegen. An die Öffentlichkeit wird dies höchstens erst dann gelangen, wenn eine Entscheidung in der ein oder anderen Richtung gefallen ist und das "Verfahren" abgeschlossen ist. Es wäre unklug, dies zum jetzigen Zeitpunkt zu veröffentlichen. Ob er es überhaupt mitteilt, bleibt abzuwarten. Insofern würde ich seine aktuelle Zurückhaltung als taktisch klugen Zug innerhalb seines persönlichen "Krisenmanagements" bewerten. Zurzeit nur nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen. Die Karre ist schon verfahren genug.
Für die interessierte Leserschaft gibt es vielleicht später ein Interview im DTS, wenn sich die Angelegenheit öffentlich nicht mehr verheimlichen lässt. Mit ehrlichen Antworten ist nach meiner Einschätzung aber nur dann zu rechnen, wenn es ein negatives Votum gegen Prause gibt und er nichts mehr zu verlieren hat. Ansonsten dürfte es wohl lediglich sehr durchdachte (vorgefertigte?) Antworten geben, die keinen Schaden anrichten und die Wahrheit mittels Salamitaktik nur scheibchenweise ans Licht bringen. Wer gefährdet schon gerne seinen Job, wenn er quasi unter Bewährung steht?
Ob Richard Prause, den sicherlich zumindest eine verbandsinterne Verwarnung erwarten dürfte, seinen Job als Bundestrainer mit der gleichen Unbefangenheit weiter ausüben wird und kann wie bisher, ist fraglich. Zweifelsohne ist seine Position beschädigt und er wird sich genau überlegen, wie er dies mit seinem Selbstverständnis als Trainer und Person vereinbaren kann. ITTF und DTTB werden ihm sicherlich verstärkt auf die Finger sehen, was nicht jedermanns Sache ist.
Auch der DTTB muss sein Gesicht im ITTF-Dschungel wahren. Bei anderen Sportarten wird in solchen Fällen häufig ein Bauernopfer gebracht. Im Gegensatz zum Fußballspieler Ganea hat Prause ja die Schiedsrichterin wenigstens nicht gewürgt und Kommunikationskonflikte kommen häufiger vor, was natürlich keine Beleidigung rechtfertigt. Es bleibt zu hoffen, dass die Funktionäre besonnen, maßvoll und im Interesse des Sports reagieren und auch die Verdienste von Prause und seine Arbeit als Trainer bei ihrer Entscheidung berücksichtigen und sich nicht dem Druck der öffentlichen Meinung innerhalb eines ITTF-Mitglieds vorschnell beugen und den Weg des geringsten Widerstands gehen.
Gibt es eigentlich offizielle Reaktionen aus anderen Ländern zu dieser Auseinandersetzung oder handelt es sich lediglich um ein Duell zwischen Deutschland und China mit Adam & Co. als Schiedsrichter? Es wäre interessant zu wissen, wie andere TT-Nationen diesen Sachverhalt bewerten oder ob dies lediglich als ein Lapsus eingestuft wird. Gab es dazu irgendwo ein Presseecho?