AW: Chinesische Superliga 2007
Die Nachholspiel zwischen Guoliang und Luneng heute war fuer beide Mannschaft von entscheidender Bedeutung, denn der Verlierer wird am Saison-Ende hoechstwahrscheinlich Tabellen-Vorletzter und muss damit seine Klassenerhalt in einem Relegationsspiel gegen den Zweiten der 1-A-Liga verteidigen.
Werfen wir zunaechst einem Blick auf das Tabellen-Ende *vor* dieser Begegnung:
7. Guoliang: 7:9
8. Jiangsu: 7:10
9. Luneng: 6:10
10. Huadu: 2:15
Gewinnt Guoliang, dann ist er aus dem Schneider, und Jiangsu haette einen Punkt vorsprung vor Luneng, wobei Luneng im direkten Vergleich positiv gegen Jiangsu steht. Gewinnt heute Luneng, dann stehen alle drei Teams punktgleich, und der direkte Vergleich zwischen ihnen waere Jiangsu > Luneng > Guoliang.
Schauen wir nun die Gegner dieser drei Mannschaft fuer die letzte Runde an:
- Jiangsu - Huadu
- Luneng - Haitian
- Guoliang - 8-1
In der chinesischen Superliga herrscht einen gewissen "Konsens", dass in der letzten Runden jedes Team gewinnt, der gewinnen "muss", sofern der Gegner nichts zu verlieren hat - nach dem Motto, "Leben und leben lassen". Von den obigen drei Teams stehen Huadu und Haitian schon vorzeitig als Tabellen-Letzter bzw. -Erster fest, sie koennen also noch weiteres das letzte Spiel abschenken. 8-1 kann zwar noch Tabellen-Dritter werden, hat aber eine ganze besondere Beziehung zu Guoliang: Guoliang ist ein Club, der von den Gebruedern Liu Guoliang und Liu Guodong gegruendet wurde und bis heute von dem letzteren gefuehrt und gecoacht wird. Liu Guoliang kommt urspruenglich aus 8-1, der Armee-Mannschaft, ist also der "kleiner Bruder" von dessen Trainer Wang Tao, zugleich der "grosse Bruder" von dessen Fuehrungsspieler Wang Hao. Insofern bin ich mir sicher, dass 8-1 ganz ohne Absprache freiwillig bereit gewesen waere, das letzte Spiel an Guoliang "abzuschenken".
Wenn man all das zusammenfasst, heisst es, dass Jiangsu so gut wie im Trockenen ist, und dass von Guoliang und Luneng derjenige Tabellen-Vorletzte wird, der heute verliert.
Das Spiel begann, Xu Xin, der Newcomer des Jahres, traf auf Zhang Chao, der in der Hinrunde ueberragend, in der Rueckrunde dagegen grauenhaft gespielt hatte. Es war ein ausgeglichenes Match, das bis in den Entscheidungssatz ging. Bei 8:8 gab Xu beide Punkte beim eigenen Ausschlag ab und hatte zwei Matchbaelle beim gegnerischen Aufschlag gegen sich. Mit einem mutigen Flip-Rueckschlag kam auf 9:10 heran und schaffte dank einem Netzroller den 10:10 ausgleich. Dann kam ein langes Topspin-Duell, Zhang spielte einen Netzroller, Xu rettete den Ball dennoch gefuehlvoll rueber, Zhang konnte nicht abschliessen, Xu machte mit einem Parallel-Topspin den Punkt. Danach wieder ein laengerer Ballwechsel, Zhang machte zuerst den Fehler, Xu gewann das Match. Erneut eine sehr beeindruckende Vorstellung des 17-jaehrigen Hoffnungstraegers.
Zum zweiten Match traten Tang Peng und Jiang Tianyi gegeneinander an. Beide sind vor knapp zwei Jahren von China nach Hongkong gewechselt und spielen normalerweise zusammen Doppel - sie kennen sich also in- und auswendig. Die Saetze verliefen sehr merkwuerdig, immer fuehrte einer der beiden zunaechst deutlich - mindestens 4:0, manchmal auch 8:0 - bevor der andere dann langsam heran kam, jedoch nicht ausreichend, um den Satz noch umzubiegen. Tang gewann im Entscheidungssatz.
Im Doppel hatte Tang Peng und Liu Guozheng keine Chance und verlor glatt in drei Saetzen gegen Jiang Tianyi und Yang Xiaofu, das fuenft-beste Doppel der Saison (8:5). Dann aber kam Xu Xin wieder und gewann relativ souveraen mit 3:1 gegen Yang Xiaofu. Damit setzte sich Guoliang gegen Luneng durch.
Luneng wird jetzt ziemlich sicher Vorletzter in der Saison-Endplatzierung. Seine einzige Moeglichkeit, dies zu verhindern besteht darin, am letzten Spieltag gegen den Tabellen-Ersten Haitian zu gewinnen, waehrend Jiangsu gegen den Tabellen-Letzten Huadu verliert. Das das mehr als unwahrscheinlich ist, duerfte klar sein.
Ein trauriger Saison-Verlauf fuer Luneng. Zum Beginn hielten alle das Team fuer einen Abstiegskandidat. Dann spielte Zhang Jike so gut, dass sie zum Saison-Halbzeit zu den Titel-Anwaerter gehoerte - ich berichtete darueber auch in meiner Kolumne in "tischtennis". Doch kaum war das Heft aus dem Druck, da begann schon die Rueckrunde, und Zhang gewann ploetzlich kein Spiel mehr. In den acht Spielen der Rueckrunde steht seine Bilanz auf 1:9, und Luneng verlor an allen acht Spieltagen. Zum Vergleich: In der Hinrunde spielte Zhang 12:4, Luneng 6:3.
Geändert von henrypijames (09.09.2007 um 17:06 Uhr)
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