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Schlaflos in Moskau - Bericht der Main-Post Würzburg vom 24.7.02
Der deutsche Tischtennis-Nachwuchs dominierte mit fünf Goldmedaillen die Jugend-Europameisterschaften in Moskau. Einen gehörigen Teil zu dem überwältigenden Erfolg haben auch Andreas Ball und Benjamin Rösner von der Würzburger Hofbräu 96.
Benjamin Rösner und Andreas Ball sind Jugend-Europameister mit der Mannschaft
Der Empfang hatte es in sich. Über 700 Menschen feierten am Montagabend in Hausen (Untermain) die Mannschaftseuropameister Ball und Rösner. Mit der Kutsche, begleitet von einer Kapelle, ging es durch den Ort. Noch am Tag danach war Ball beeindruckt: "Die Feier war absolut super."
Für den 17-Jährigen war der Empfang in der Heimat auch etwas Balsam auf die Wunden. "Das war schon bitter, dass ich darauf hoffen musste, wenigstens im Finale eingesetzt zu werden", sagt er. Zur Überraschung aller hatte Bundestrainer Klaus Schmittinger den gebürtigen Erlenbacher nur in zwei Partien eingesetzt - aus taktischen Gründen, wie er sagte. Ball war die Taktik egal - er gewann einfach alle seine Spiele. Heimtrainer Thomas Müller, der zur Betreuung mit in der russischen Hauptstadt war, wollte vom Bundestrainer auch gerne wissen, warum Ball nicht öfter eingesetzt wurde. "Da ist er fast ausgerastet", erzählt Müller. Sonderlich erwünscht sei Müller wohl nicht gewesen. Im Auftrag des Bayerischen Tischtennis-Verbandes war der Leiter des Leistungszentrums in Würzburg vor allem damit beschäftigt, für Speis und Trank der Akteure zu sorgen.
Denn in punkto Verpflegung und Unterkunft lag in Moskau einiges im Argen. An einem Trainingstag gab es für die ganze Mannschaft gerade einmal eine Flasche Mineralwasser, beim Frühstück "lockten" Erbsen mit Wurst, im Mannschaftshotel herrschten selbst nachts tropische Temperaturen. "Wir konnten kaum schlafen", jammerte Benjamin Rösner. Fast schlaflos in Moskau und trotzdem am Ende Europameister - wie passt das zusammen? "Ich weiß auch nicht, wieso wir trotzdem so fit waren", hat auch der 15-Jährige keine Erklärung für die tolle Leistung der Jungen-Mannschaft.
Dabei lief es ausgerechnet bei ihm im Mannschaftsfinale alles andere als gut. Vor 1000 Zuschauern in der Luchniki-Arena hatten es Christian Süß, Ball und Rösner mit dem russischen Team zu tun, das von den eigenen Landsleuten natürlich frenetisch angefeuert wurde. Bei einer 1:0-Führung für Deutschland musste der Würzburger gegen Grigori Vlassov ran und unterlag mit 1:3. Nachdem Ball seine Farben erneut in Führung gebracht hatte, hätte Rösner mit einem Sieg alles klar machen und Deutschland den Titel sichern können. Aber auch gegen Vassili Lakeev reichte es nicht zum Erfolg - der Schüler-Mannschafts-Europameister von 1999 verlor mit 1:3-Sätzen. Der Düsseldorfer Süß sicherte dem deutschen Team mit einem 3:2-Sieg gegen Vlassov schließlich den Titel.
"Kurz nach dem Spiel war ich sicher enttäuscht, dass ich beide Partien verloren habe", kommentiert Rösner seine Leistung im Finale. "Aber schließlich habe ich dazu beigetragen, dass wir überhaupt ins Finale gekommen sind." Bis zum Halbfinale gegen Frankreich hatte der künftige Zweitliga-Akteur kein einziges Spiel verloren, dabei auch den Favoriten im Einzel, Daniel Zwickl (Ungarn), mit 3:0 bezwungen. "Benny hat bis auf das Mannschafts-Finale am Optimum gespielt", zollt Heimtrainer Thomas Müller Respekt. So gewann Rösner überraschend mit Patrick Baum (Mainz) trotz 0:2-Satzrückstands im Finale den Titel im Jungen-Doppel und mit Meike Rohr (Betzingen) Silber im Mixed. Andreas Ball heimste noch Bronze im Doppel ein.
Nur mit den Auftritten im Einzel, wo für beide im Achtelfinale Endstation war, zeigte sich das Duo von der Würzburger Hofbräu unzufrieden: "Da hatten wir uns mehr ausgerechnet", so Rösner.
Mit dabei in Moskau war in der Auswahl der Schülerinnen auch die Veitshöchheimerin Angelina Gürz von Viktoria Wombach. Sie kam mit der Mannschaft auf Platz 13.
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