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AW: Damen-World-Cup 2007: Eine (fast) rein chinesische Angelegenheit
In jedem Sportart, in dem eine Nation deutlich ueberragt, kommt es zwangslaeufig zu Auswanderungen - es sei denn, es gibt bei den Turnieren keine Quota fuer Teilnehmerplaetze pro Verband (wie z. B. Snooker). So lange einen Temperatur-Unterschied existiert, wird es Wind geben, man kann es nicht verhindern.
Die "Loesung" ist simpel - geradezu trivial: Der Rest der Welt muss besser werden. Und ich habe auch einen Ansatz parat, wie konkret das geschehen kann: Die Europaer sollen mehr chinesische Trainer verpflichten, gerade in Jugendbereich, um die Qualitaet der Nachwuchsfoederung zu steigern.
Es gibt keinen anderen Sportart, in dem eine Nation dermassen dominiert, dessen Trainer jedoch so wenig gefragt ist. Ich bin fest davon ueberzeugt, dass ein guter chinesischer Trainer der deutschen Nationalmannschaft mindestens so viel Aufschwung bringen kann wie Amizic den Japanern.
Den Belgiern haben mit Wang Dayong grosse Erfolge in den letzten Jahrzehnten gehabt. Der Mann hat nicht nur J.-M. Saive ueber Jahrzehnte in der Weltspitze gehalten, sondern in den letzten Jahren auch viel fuer die Nachwuchsfoerderung in Belgien getan, und die Ergebnisse zeigen sich langsam. Ueberigens hat er auch schon einen Nachfolger gefunden, der seine Arbeit fortsetzt: Tie Zichao, ebenfalls ein Chinese.
Auch der aktuelle Comeback des englischen Tischtennis ist zum erheblichen Teil ihrem chinesischen Trainer, Liu Jiazhi, zu verdanken, den sie vor 12 Jahren als Jugend-Nationaltrainer eingestellt haben. Liu sagt selbst, haette der englische Verband einen weiteren guten chinesischen Trainer eingestellt, haette sich der Fortschritt mindestens verdoppeln koennen.
Auch in Deutschland haben chinesische Trainer in den letzten Jahren vor allem in der Bundesliga gezeigt, was sie koennen - immer mehr Clubs haben Chinesen als Cheftrainer. Warum also nicht die Nationalmannschaft?
Man kann sagen, die deutsche Herren-Nationalmannschaft befindet sich auf einem gutem Weg und braucht keinen radikalen Neubeginn, und dem wuerde ich nicht widersprechen. Aber dem deutsche Damen-Tischtennis koennte ein radikaler Neubeginn nicht schaden.
Ueberhaupt spreche ich hier weniger ueber die Erwachsenen-Nationalmannschaft - viel wichtiger ist der Jugend-Bereich. Es ist meiner Meinung nach hoechste Zeit, dass man von den Erfolgs-Konzepte der Chinesen lernt - und der beste Weg, dies zu tun, ist eben, chinesischen Trainer zu verpflichten. Sicher, viele chinesische Konzepte sind nicht uebertragbar fuer Europa, aber viele andere sind es durchaus. Und wie ich oben dargelegt habe, haben die Beispiele Belgien und England schon gezeigt, dass es funktioniert.
Uebrigens, wisst ihr, wie die goldene TT-Era der Schweden begonnen hat? Mit einem japanischen Trainer, Ichiro Ogimura (spaeter ITTF-Praesident). Wisst ihr, wie der sensationellen Erfolg von Rosskopf / Fetzner zustanden gekommen war? U. a. dank dem chinesischen Trainer Li Xianjue, der damals fuer die deutsche Nationalmannschaft arbeitete und chinesische Trainingsmethoden fuer Doppel nach Deutschland gebracht hatte. Li Xianjues Sohn ist uebrigens Li Bing, Trainer von Busenbach.
Geändert von henrypijames (08.10.2007 um 21:59 Uhr)
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