Zitat von Jaskula
Nun, bin weder Geschichtsprofessor noch Soziologe oder Politologe. Insofern sollte man das als meine Meinung ansehen, wie aber wohl auch die Aussagen aller anderen an diesem Thread Teilnehmenden.
Versuche trotzdem Deine Fragen nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten.
Ich bin der Meinung, und das klingt auch bei Eva Herman an, daß die Betreuung von Kindern in der Familie eine stärkere gefühlsmässige Bindung an die dort lebenden Personen bewirkt, als es eine Betreuung in Kindergärten, Krippen, Schulen etc. leisten kann. Wer solche Bindungen nicht erlebt wird sich auch bei seinen späteren sozialen Kontakten (Freundeskreis, Partnerschaft) tendenziell weniger fest binden (können).
Das führt dazu, daß man eher bereit ist, wie es heißt, mobil zu sein, weil es einem nicht so schwer fällt, das "Nest" zu verlassen. Soweit kann man das positiv sehen und das wird wohl von Staats wegen auch durchaus gefördert. Es bedeutet aber auch weniger feste Partnerschaften, ganz klar erkennbar an der scheidungsrate, die z.B. in der DDR erheblich höher war, weniger soziale Kontakte, die dauerhaft vorhanden sind. Und damit sind wir dann wieder an dem Punkt, daß man dann leichter lenkbar ist.
Weitere Mittel waren, wenn man von HJ und FDJ absieht, zum Beispiel die Unterwanderung aller sozialer Bereiche durch staatliche Spitzel. Sowohl im Dritten reich als auch in der DDR wurde ein Klima geschaffen, in dem sich noch nicht einmal Freunde oder Familienangehörige gegenseitig trauen konnten. Diese Mechanismen greifen aber ins Leere, wenn die Bindungen der Menschen untereinander zu stark sind.
Ich will damit nicht sagen, daß zur Zeit ein solcher Staat von unseren regierenden Politikern angestrebt wird, aber wehret den Anfängen. Dem Überwachungsstaat kommen wir stückchenweise näher, die sozialen Bindungen nehmen beobachtbar ab, dem sollte man dann nicht auch noch Vorschub leisten, meine ich.
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