Seit fast einer Stunde brennt mir ein Beitrag von Dir Breaker3 unter den Nägeln und ich habe lange überlegt, ob ich ihn ansprechen soll, weil ich mich doch eigentlich gegen eine Diskussion mit dem Versuch, andere von der eigenen Einstellung zu überzeugen, ausgesprochen habe. Aber jetzt, wo ruedi5 damit schon angefangen hat, muss ich das doch mal aufgreifen, weil dieser Abschnitt es war, der mich beim lesen wirklich geschockt hat (sorry für das lange Zitat)
Zitat:
Zitat von Breaker3
Weißt Du,
VIELE VIELE SIND GESTORBEN! KINDER, ANWOHNER ABER AUCH SEHR SEHR SEHR VIELE TOURISTEN!
Aber auch hier gibt es eine Perspektive.
1. Kinder, die verstorben sind, sind 100%-ig im Himmel!
DAS IST GUT, denn vergiss bitte nicht, diese gegend dort war teilweise sehr arm. Gerade in dieser Gegend um Puketh herum gab es UNFASSBAR viel Sex-Tourismus.
Ist das nicht auch unfair von Gott zuzusehen, wie Kinder, in diesen Bereichen benutzt und beschmutzt werden?
Ich denke, viele Kinder, die damals umgekommen sind, wurden automatisch davor bewahrt, NICHT weitere Opfer dieser abscheulichen "touristischen Atraktion" mancher Menschen dort, die von weit her angereist kommen, zu werden. FÜR Kinder, die bereits in diesen Sog der miesen Touristen gezogen wurden waren, war es eine erlösung Ihrer Qualen! DIESEN GANZEN KINDERN GEHT ES NUN GUT! Ist das nun gerecht von Gott Ihnen ein himmlisches zu Hause in Geborgenheit und Liebe zu geben, wie es Kinder brauchen? Die Eltern der Kinder haben die Möglichkeit Jesus anzunehmen, (wie ich in meinem langen Bericht mal angedeutet habe), und sie werden Ihre Kinder im Himmel wieder sehen, wenn sie hier die Erde verlassen. Tod ist nichts schlimmes, sondern, es ist der ANFANG vom ewigen Leben (wo steht auf einem anderen Blatt)!
Die Kinder jedenfalls haben es geschafft - NIE MEHR WEINEN UND QUAL DURCH PERVERSITÄT, SONDERN HEILUNG ALLER WUNDEN DIE AUF ERDEN GESCHLAGEN WURDEN! Ist das nicht wunderbar?
2. Ich bin mir sicher, dass es auch Menschen erwischt hat, die eben genau aus diesem Grund dort waren - nun, ich weiss nicht, ob sie im Himmel sind..., denke aber eher nicht, denn Jesus sagte über Kinder, dass "die Engel der Kinder alles sehen, was wir Ihnen tun...!" und "...dass sie es Gott berichten...." ,nun was glaubst Du, wird wohl der Engel eines mißbrauchten Kindes Gott ermutigen, den Täter in den Himmel aufzunehmen (mal davon abgesehen, dass das so sowieso nicht abläuft)... - ich denke, Du verstehst, was ich meine oder?
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In meinen Augen eine sehr, sehr fragwürdige, in Ansätzen sogar gefährliche Sichtweise, bei der es mir wirklich sehr sehr schwer fällt, sie zu tolerieren, obwohl ich mich selber eigentlich durchaus für einigermaßen tolerant halte.
Klar, es hat auf jeden Fall etwas positives und tröstliches, wenn man auch in Katastrophen, seien es persönliche oder welche, die anderen widerfahren, nicht nur Schlimmes sehen kann sondern auch Positives. Hier aber großes Leid anderer Menschen geradezu verherrlicht (denn ich sehe den Tod und den Verlust geliebter Menschen als Leid, eine Entscheidung, welches Leid schlimmer ist, kann man wohl für andere Menschen nicht treffen)
Ein Aspekt, den ich für gefährlich für den Einzelnen halte (ich glaube, das deckt sich einigermaßen mit dem, was auch Abwehrtitan meint): Wenn ich in jeder persönlichen Tragödie/Katastrophe etc NUR etwas gutes sehe, dann fehlt doch irgendwie die Motivation, solche Dinge zu verhindern, die persönliche Situation zu verbessern.
Ist aber nicht so relevant, denn das gehört zu den Dingen, die jeder für sich selber entscheiden muss.
Diskussionwürdig und auch erschreckend finde ich aber, das Leid, das den Menschen dort passiert ist, so
positiv zu sehen.
Spinne den Gedanken mal weiter, das beträfe ja letztlich nicht nur Naturkatastrophen, sondern auch Dinge, die Menschen anderen Menschen antun.
(Ist zwar ein etwas schräger Vergleich, weil es eben nicht um Menschen geht, die an Jesus glauben, aber um zu verdeutlichen, warum ich so geschockt war...: ) In den Konzentrationslagern der Nazis sind damals auch viele jüdische Kinder gestorben, sicherlich waren dort auch einige dabei, die von Erwachsenen missbraucht wurden. Ab welchem Prozentsatz ist eine solche Katastrophe positiv ? Müssen dabei mehr als 50 % vor einem grausamen Schicksal bewahrt werden, oder reichen auch 10 % oder muss nur eines von Tausenden von Kindern dabei sein ? Und wie steht es mit den Erwachsenen, die im Konzentrationlager gestorben sind ? Da waren bestimmt auch einzelne dabei, die Schlimmes getan haben, rechtfertigt das irgendetwas ? (ich weiß, zynisches, dünnes Eis, auf dem ich mich hier bewege, bitte daran denken, dass ich dieses Beispiel gewählt habe, weil es wohl am drastischsten zeigt, was ich meine. Man könnte auch viele andere von Menschen begangene Gräueltaten anführen)
Vor allem dieser Satz hat mich extrem geschockt. (denn er klingt fast wie: "Yippieh, die Kinder sind endlich tot!?")
Zitat:
Zitat von Breaker3
Die Kinder jedenfalls haben es geschafft - NIE MEHR WEINEN UND QUAL DURCH PERVERSITÄT, SONDERN HEILUNG ALLER WUNDEN DIE AUF ERDEN GESCHLAGEN WURDEN! Ist das nicht wunderbar?
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Nein, das ist nicht wunderbar !!!
Es gibt im wahrsten Sinne des Wortes asoziale Menschen, die würden solche Gedankengänge sogar noch weiter führen und als Aufforderung nehmen, selber aktiv zu werden. Die Kinder und Gläubigen werden erlöst, die Übeltäter sterben den gerechten Tod - erinnert fatal an gewisse Aussagen in Videos von Selbstmordattentätern.
Ich bin mir dessen bewußt, dass Du diesen Gedanken bestimmt bei weitem nicht so extrem gemeint hast, wie er bei mir angekommen ist, aber wie gesagt, es hat mich doch sehr geschockt und ist in meinen Augen ein gutes Beispiel dafür, wie prinizpiell positive Ansätze von Religion oder Glauben sehr einfach für schlimme Dinge instrumentlisiert werden können.