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Alt 15.02.2015, 19:06
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AW: Kuwait Open 11.02-15.02.2015

Zitat:
Zitat von Bo5 Beitrag anzeigen
Gestern gegen Freitas z.B. hat er sich kein einziges Mal gepusht, wenn überhaupt hat er sich über seine Fehler aufgeregt. Vielleicht hatte er gestern schon Rückenschmerzen oder es hatte andere Gründe. Von dem emotionalen und vor Selbstbewusstsein strotzenden Zhang Jike war das aber eben meilenweit entfernt. Das musst du zugeben.
Ich widerspreche deinen Beobachtungen nicht, aber ich teile nicht die daraus offenbar häufig gezogenen Schlussfolgerungen.

Man sieht meiner Erfahrung nach von Zhang Jike, genauso wie von den anderen Chinesen, selten ein extremes Pushen während (Einzel-)Wettkämpfen. Das tritt bei europäischen Spielern weitaus regelmäßiger und intensiver auf. Emotionale und vor Selbstbewusstsein strotzende Auftritte sieht man von den Chinesen doch ohnehin fast ausschließlich in den letzten Sätzen/Ballwechseln von ganz großen Einzelwettkämpfen oder bei Mannschaftsturnieren.

Dem gegenüber wirkten eigentlich alle Auftritte der Chinesen -- also nicht nur Zhang Jike in dem einen Spiel gegen Freitas, sondern alle Chinesen in allen Spielen! -- bei den Kuwait Open (und vergleichbaren Turnieren) eher "zurückhaltend".

Ich sehe für dieses Phänomen zwei Erklärungsansätze:

Mein Ansatz ist es, die Ursache für diesen Unterschied in den extremen Drucksituationen zu suchen, in denen sich die Spieler während großer Einzelwettkämpfe und Mannschaftswettkämpfe befinden. Ich denke, dass ein sichtbar höheres Erregungsniveau eben Ausdruck dieser besonderen, selbst für diese Spieler nicht alltäglichen Belastung ist. Immerhin geht es in diesen Turnieren darum, die ganz großen bedeutenden individuellen Erfolge einzufahren bzw. der Ehre gerecht zu werden, die eigene Nation gegen andere Nationen vertreten zu dürfen.

Diesem Ansatz folgend wäre das Auftreten der Chinesen in Kuwait eher die "Norm", also ihr normaler, selbstreflektierter, fokussierter Spielstil.

Ein anderer Ansatz, welchen ich hier häufig sehe und für deutlich weniger plausibel halte, bewertet diese Situationen genau umgekehrt. Demnach wären die emotionalen Auftritte der Chinesen die Norm und ihr Verhalten wie dieses Wochenende in Kuwait spräche für "Lustlosigkeit", "Motivationslosigkeit", "Langeweile" oder "Unterforderung" (um ein paar der kürzlichen Analysen wiederzugeben).

Wie gesagt: Für mich ist der erstgenannte Ansatz deutlich plausibler und ich habe noch keine guten Argumente gehört, die für den anderen Ansatz sprechen.

Geändert von tsb (15.02.2015 um 19:15 Uhr)
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