Gern verschieben, weil Offtopic:
Danke für deine Rückmeldung, Wolf.
Zunächst erst einmal muss ich richtigstellen, dass ich natürlich keine direkte Verbindung zwischen der verlinkten arte-Doku und dem von mir angesprochenen System in China herstellen wollte. In der Doku geht es keineswegs um China, wie du ja bereits richtig erkannt hast. Dazwischen lag ein Gedankensprung von mir, den ich anscheinend nochmal ausführen muss.
An die Doku hab ich lediglich gedacht, weil hier zuvor in der Diskussion von "alles dem Erfolg unterordnen" o.ä. die Rede war und ich bei solchen Aussagen sofort Bauchschmerzen kriege, weil solch eine Einstellung natürlich zu Dingen führen können, wie sie eben in der Doku dargestellt werden.
Ich wollte auch keineswegs allen chinesischen TrainerInnen unterstellen, dass sie bewusst psychischen und physischen Druck auf Kinder ausüben, wenngleich selbst du sicherlich nicht leugnen kannst, dass die "althergebrachten Klischees" über chinesische Sportinternate nicht völlig aus der Luft gegriffen sind. Die Berichtserstattung rund um Peking 2008 hat da schon ziemlich Wellen geschlagen. Und selbst wenn diese von der "westlichen Brille" eingefärbt ist und nur 50 Prozent davon stimmen sollte, wurden auf systematische Art und Weise in China Verbrechen an Kindern begangen (klassisches Beispiel: Turnen), die es so hier in Deutschland in dem Umfang nicht hätte geben können. Aber auch ich habe mitbekommen, dass sich seitdem einiges verändert hat (wirklich genug?) und bin mir darüber im Klaren, dass es da sicherlich auch nochmal große Unterschiede zwischen den Sportarten gibt.
Worauf ich mit meinem Beitrag eigentlich hinauswollte sind nicht spezielle Trainingsmethoden oder skandalöse Einzelfälle, sondern vielmehr die allgemeine Einstellung zum Thema Leistungssport. Interessanterweise gibt es dazu auch einen kleinen tischtennisspezifischen VideoClip von arte, der sehr kindsgerecht das Thema beleuchtet und offensichtlich nichts negativ einfärben möchte.
Dauert nur knapp drei Minuten, bringt in dieser Zeit aber einiges zum Ausdruck, von dem ich froh bin, dass es das hier in Deutschland in der Form nicht gibt.
Was ich meine :
1. Eine große Bereitschaft, Kinder schon früh aus dem Elternhaus ins Internat zu schicken (hier anscheinend mit 9).
2. Zustände im Internat (hier 6er-Zimmer), die relativ wenig Privatssphäre ermöglichen
3. Trainingsumfänge von täglich 4 Stunden für "irgendeinen 9-jährigen"?
4. Bestrafungssysteme (wenngleich hier keine Details genannt werden)
Wolf darf mich gern korrigieren (Ernst gemeint!), wenn es sich bei der Doku mittlerweile um eine völlige Ausnahme handeln sollte und alle anderen Tischtennis-Internate in China völlig anders funktionieren. So wie hier dargestellt, gibt es das allerdings in Deutschland nicht mehr. Und das finde ich auch gut so. Sicherlich ist dieses System aber ein Zahnrad im Erfolgsmodell der Chinesen (neben den modernen Trainingsmethoden...das glaube ich Wolf gern). Und wenn man dann überlegt, wie man den Deutschen Nachwuchs wieder auf Medallienkurs bringt, dann bitte nicht, indem man solche Dinge kopiert, wie im Video dargestellt. Darauf wollte ich in meinem vorigen Beitrag hinaus.
Und vielleicht nochmal am Rande etwas zu folgendem Zitat von dir, Wolf:
Zitat:
Zitat von Wolf11
Heute sind das 24jährige moderne junge und erfolgreiche Frauen, die ihren Weg gehen und die mit ihren heutigen aber auch damaligen Trainern ein sehr gutes und freundschaftliches Verhältnis auf Augenhöhe haben, und die dankbar sind, dass man ihnen diese Chance gegeben hat und Zeit mit ihnen investiert hat, die sie zu den sportlich erfolgreichen und gesellschaftlich unabhängigen Frauen gemacht hat, die sie heute sind
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Ich habe lange überlegt, warum sich so viele (einschließlich mir) von deinen Beiträgen so getriggert fühlen. Auch ich erkenne deine fachliche Expertise und dein Insidewissen an (danke dafür!), kriege aber immer eine kleine Krise bei solchen und ähnlichen Aussagen von dir. Vielleicht liegt das an meinem DDR-Backround: So wie du manchmal über verschiedene Sportlerinnen schreibst, könnte das 1:1 in einer DDR-Zeitung oder im DDR-Fernsehen formuliert sein. Man redet in der dritten Person über jemanden, wie toll sie ist, wie dankbar sie dem System ist, wie gut sie sich gefördert fühlt, wie toll sie sich mit allen Trainern versteht usw.
Ich glaube dir ja, dass du die betreffenden Personen kennst, aber aus der Perspektive eines dritten wirken solche Aussagen ziemlich befremdlich, zumal du sie in ähnlicher Form auf viele Spielerinnen oder Trainer anwendest. Mit der Zeit zweifelt man dann doch an, ob wirklich bei allem, vowon du berichtest immer Friede, Freude, Eierkuchen besteht.
Ich bin der letzte, der sagt, dass du damit aufhören sollst. Hier kann jeder schreiben, was er will, solange man nicht gegen die Forumsregeln verstößt. Mir ist nur gerade bei deinem letzten Beitrag aufgefallen, was mich persönlich daran so stört. Vielleicht für dich interessant. Wenn nicht, gleich wieder vergessen...