Zitat:
Zitat von mithardemb
100% richtig und man muss noch ergänzen, dass unser Wohlstand sehr stark auf dem Konsum in anderen Ländern beruht. Deshalb sind wir bei Handelskriegen extrem anfällig. Auch die Vorstellung, dass wir unsere Fertigungsindustrie durch CO2 Zölle gegenüber China schützen könnten ist ziemlich naiv.
|
Das ist nur zum Teil korrekt. Klassischer deutscher Export funktionierte nie über den Preis, er richtete sich in Ländern wie China/Indien, aber auch in den USA meist über "Made in Germany" und Höchstqualität preisunabhängig an die dort lebende Oberschicht. Von "Ritter Sport" über "Miele" bishin zu Mercedes und Porsche war es nie entscheidend ob die Produkte 20% billiger oder teurer angeboten wurden. Selbst der Maschinenbau/Kraftwerksbau etc. hat nie über den Preis verkauft. Auch zu DM-Zeiten mit ständiger Aufwertung war die alte BRD immer "Exportweltmeister". Aktuelles Beispiel, da beim Wintersport in Dauerwerbung gesichtet, ist La Vita. Glaubt denn jemand, die exportieren eine Flasche mehr, egal ob die nun umgerechnet 45, 55 oder 65 Euro kostet? Glaubt jemand, dass es irgendeinen Scheich juckt, wie der Wechselkurs ist, wenn er sich ein Bad von Dornbracht machen lässt oder die neueste Novitec/Brabus/Mansory Edition zulegt? Oder die Jacht hier bauen lässt.
Was allerdings eine Rolle spielt ist, wenn man auch diesen Teil der Welt mit Produkten (E-Autos usw.) beglücken möchte, die die da gar nicht wollen.
In der Realität machen das die deutschen Unternehmen dort auch nicht, treten ganz anders auf als in der Heimat. Dort treten auch maximal zyklische Effekte auf, wo eine Zeit lang einfach mal weniger gekauft wird, weil auch diese Länder konjunkturellen Phasen unterworfen sind.
Das eigentliche Problem Deutschlands ist seit Jahren die Binnenkonjunktur/-kaufkraft bzw. Nachfrage, weil die Leute ihr Säckel zusammenhalten. Ganz simpel wird die Renovierung nach hinten geschoben, das Auto länger gefahren usw.. Volkswirtschaftlich kannst du das seit Jahren bei den sog. "kann" Produkten und deren Anbietern sehen. Das reicht von der Gastro, der die Laufkundschaft wegbricht, über den "Städtetrip" bis zum Shoppingtag in der City.
Hier spielt auch die Erwartung der Konsumenten eine Rolle. Wer vor 10 Jahren zu 1% gebaut hat, nun aber 4% Zinsen zahlen muss, wer nicht weiss, ob der Sprit bald 2,50 Euro kostet oder wer unsicher ist, ob die Sanierung des 40 Jahre alten Eigenheims 100k+ kostet, der konsumiert tendenziell weniger.
Insofern hat A. Lange recht. Die Gesellschaft lebt vom Konsum und der ist psychologisch nunmal stark von Erwartungen abhängig. Sicher kann der Staat da viel statistisch kaschieren, bestes Beispiel ist das Bürgergeld für Asylbewerber, ein Konjunkturprogramm für Aldi, Lidl etc. a la Carte. Oder durch massiven Ankauf von E-Autos durch die öffentliche Hand. Ebenso Wohnraumanmietung durch die Städte zu horrenden Preisen.
Zu deinem Beitrag "Vermögen" in anderen Ländern:
Diese Länder haben oft ganz andere Traditionen, tiefes Mißtrauen in die eigene Währung und daher besitzt man dort traditionell fast nur Sachwerte. Du hast Gold/Schmuck dort in deiner Aufzählung vergessen. Egal ob Südeuropa, Arabien oder Asien ist dies dort Tradition. Oft auch Fremdwährungen, wie Dollar.
Im Angelsächsischen gibt es eine lange Aktientradition.