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Alt 10.02.2026, 09:39
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Mephisto Mephisto ist offline
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:-) AW: Material und Spiel wird immer schneller - schlecht für Senioren

Ich bin der Meinung, ein ordentliches Maß an Selbsteinschätzung ist entscheidend.

Wir betreiben den geilsten Sport der Welt, um bis ins Alter aktiv zu sein und nicht ab 35 Jahren nur noch an der Theke und am Spielfeldrand zu stehen. Alleinstellungsmerkmal im Tischtennis! Und dann noch gute Strukturen im Senior*innensport auf Turnierebene und altersübergreifende Integration in den normalen Spielbetrieb.

Problem ist, wenn ich bei der eigenen Leistungsfähigkeit mein Alter nicht anerkenne und mich an ehemaligen Spielstärken messe, werde ich mir selbst nicht gerecht.

Eine frühere Studie hat herausgefunden, dass der durchschnittliche Leistungspeak von Spieler*innen im mitteleuropäischen ambitionierten Bereich bei 27 bis 37 Jahre liegt. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, aber dann sollte es bei gleichem Engagement langsam bergab gehen. Das sollte man anerkennen.

Dazu kommen natürlich auch noch Lebensumstände wie Job, Familiengründung etc., durch die der Aufwand neben körperlichen Voraussetzungen angepasst werden muss.

Ich habe mal statistisch in meinem TT-Umfeld die Leistungsentwicklungen untersucht und da kann man schon ablesen, wie in welchem Alter die durchschnittlichen Leistungsentwicklungen sind, aber auch wie durch größeres Engagement oder wenig Training Entwicklungen verstärkt werden. Natürlich gibt es immer Ausnahmen, aber die Gesamttendenz kann man gut ablesen. Das hilft beim Einordnen. Teile doch spaßeshalber mal die Spieler*innen in Deinem Verein oder Kreis in 10-Jahres-Dekaden ein und lese altersgetrennte Ranglisten aus - und mit viel Aufwand nochmal z.B. bei heute 50-60- oder 60-70jährigen deren TTR vor 10 Jahren. Das hilft beim Einordnen.

Der TTR hat das ehrlicher gemacht und hat Spielstärken besser eingeordnet, die gefühlt in Gedenken an alte Zeiten subjektiv höher waren.

Geschwindigkeit, schnelleres Material und vor allem der frühere Balltreffpunkt haben das Spiel athletischer gemacht, wodurch nicht nur altersbedingt sich fittere Spieler*innen durchsetzen. Das Goldhändchen hat an Relevanz verloren, körperliche Fitness hat größeren Einfluss als früher. Finde ich übrigens auch gut für die Außendarstellung der Sportart, auch wenn es mir persönlich nicht in die Karten spielt.

Mit gutem Spielverständnis, Aufschlagspiel, Taktik und unangenehmen Ballwegen lässt sich trotzdem noch etwas nicht zu unterschätzendes der Dynamik der jungen Wilden entgegensetzen.

D.h. aber gleichzeitig auch, dass gerade beim Älterwerden allgemeine Fitness und Beweglichkeit an immer größerer Bedeutung gewinnen. Spieler*innen mit guter Kondition, wenig Übergewicht und Beweglichkeit halten viel länger ihr Niveau bzw. verlangsamen die Minderung der Leistungsstärke.

Gerade Beweglichkeit im Rumpfbereich ist entscheidend für das Nachspiel und konditionelle Voraussetzungen für große Wege und Umlaufen, entscheidend für die Anpassung des Spielstils beim Älterwerden.

Bei Spieler*innen, die an ihrem Leistungspeak waren, ist auch Belastungssteuerung und Ausgleichssport entscheidend. Auch Boll und Samsonov haben ihr Trainingspensum am Tisch und die Intervalle deutlich reduziert, um möglichst lange ihr Niveau annähernd zu halten. Samsonov hat mal erzählt, dass er ab einem gewissen Alter mindestens die Hälfte seiner Trainingszeit in Ausgleichssport, insbesondere Yoga für die Beweglichkeit und das Mindset, investiert hat.

Je älter ich werde, desto mehr ist die Rumpfbeweglichkeit das Kernthema. Davon ist abhängig, ob ich aus dem Mittelbereich gut stehe und mehrmals spinorientiert nachspielen kann oder ehemalige Topspins durch Block- und Notbälle ersetze und damit einhergehend mein Spielsystem anpasse. Genauso athletisch die langen Wege in weite Vorhand oder das umlaufen. Wenn ehemalige Stärken wegfallen, kann auch im Zuge der Veränderung des Spielsystems Material eine Antwort bieten.

Gegenläufige Entwicklungen sehe ich vor allem bei Spieler*innen, die trotz viel Leben drumherum trotzdem weiter viel Zeit in TT investieren, bewusst und mit Unterstützung (z.B. Einzeltraining oder systematische Übungen passend zum Spielstil, auch Verbesserung von Einzelschlägen oder Aufschlagspiel) und körperlich in der Lage dazu sind. Für viele ist irgendwann zwei Tage Tischtennis in Folge am zweiten Tag nur noch mit Einschränkungen möglich. Hier stellt sich dann die Frage, durch wieviel Umfang werde ich tatsächlich besser und wie lange sind die Trainingsintervalle im Sinne von Trainingssteuerung.

Aber TT ist auch ein geselliger Sport und regelmäßige Hallenaufenthalte mit geselligen Austausch mit oder ohne Bier danach mit Vereinskolleg*innen hilft auch sehr der mentalen Fitness und zum Stressausgleich in anderen Lebensbereichen.

Insofern bin ich wieder beim Anfang meines Beitrags, TT ist als Alltime-Sport einfach genial. Leistungsabfall sollte man anerkennen und sich nicht zu viel Kopf machen, darf sich aber gerne dagegen wehren und gegensteuern, wenn man das nicht zu verkrampft macht und damit zu sehr hadert, wenn es nicht klappt. Aufgeben gilt nicht. Meine Meinung.
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Nichts bleibt wie es wird!
Mephisto
TSG Oberrad

Geändert von Mephisto (10.02.2026 um 09:42 Uhr)
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