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Prost: Alkohol macht klug
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Es ist wie so oft: In Massen bekommen Bier und Wein dem
Gehirn nicht sonderlich gut. In Maßen soll Alkohol dagegen
überraschende Effekte haben.
Wie japanische Forscher jetzt herausgefunden haben, kann
sich moderater Alkoholgenuss positiv auf die geistige
Leistungsfähigkeit von Menschen auswirken. Männer, die
weniger als einen halben Liter Wein oder Sake pro Tag
konsumieren, haben demnach einen um 3,3 Punkt höheren
Intelligenzquotienten (IQ) als konsequente Abstinenzler.
Trinkende Frauen können das intellektuelles Potenzial um
2,5 Punkte steigern.
Im Rahmen ihrer Studien haben die Forscher des National
Institute for Longevity Sciences in der Nähe von Tokio den
IQ von 2000 Menschen im Alter von 40 bis 79 Jahren
gemessen. Wie "BBC News Online" mit Bezug auf das
Wissenschaftsmagazin "New Scientist" berichtet, gehen die
Wissenschaftler davon aus, dass Alkohol Arterienverkalkung
vorbeugt und so für einen kontinuierlich hohen Blutfluss
ins Gehirn sorgt.
Allerdings: Auch andere Faktoren, die im Zusammenhang mit
moderatem Alkoholkonsum stehen, können sich positiv auf den
IQ auswirken. Forschungsleiter Hiroshi Shimokata: "Es ist
sehr schwer, in diesem Fall Ursache und Wirkung exakt
aufzuzeigen."
So haben die Japaner zwar das Einkommen und die Ausbildung
der Probanden berücksichtigt, nicht aber Faktoren wie
Lebensstil oder Ernährungsgewohnheiten. Und genau hier
könnte auch eine mögliche Fehlerquelle liegen, wie
Shimokata einräumt: So essen starke Sake-Trinker
tendenziell mehr rohen Fisch, der im Verdacht steht, die
kognitiven Funktionen zu verbessern. Das Gleiche gilt für
Käse - und der wird besonders gerne von den untersuchten
Weintrinkern konsumiert.
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(C) SPIEGEL ONLINE - 07. Dezember 2000, 14:31