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Alt 03.09.2007, 10:17
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stefan.s stefan.s ist offline
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stefan.s ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
AW: Prause beschimpft chinesische Schiedsrichterin

Zitat:
Zitat von Red Devil Beitrag anzeigen
Wenn Richard Prause Trainer von Liechtenstein, Malta oder eines sportlichen "3.Welt-Landes" in Sachen TT wäre und nicht der Coach eines der größten Konkurrenten Chinas im Kampf um die Medaillen, wäre die Sache vermutlich im Sande verlaufen und hätte nicht diese Brisanz und Aufmerksamkeit der Funktionäre und Medien erfahren. Das ist eine willkommene Headline.

Ohne die verbalen Entgleisungen in irgendeiner Weise zu entschuldigen, sie gehören absolut nicht in den Sport, sind Prauses Worte auf "fruchtbaren Boden" gefallen und willkommen aufgenommen worden. In Kombination mit Gerüchten um ein angebliches Start-/Einreiseverbot von Timo Boll kurz vor Peking, passt das ins Bild. Es könnte also auch strategische Gründe geben, warum man Prause nicht gerne in China sehen möchte. Insofern hat Prause den Chinesen durch sein Fehlverhalten genau in die Karten gespielt, die die Möglichkeit, ein psychologisches Störfeuer zu entfachen, weidlich ausnutzen werden. Man sollte zwar nicht unterstellen, dass die Chinesen Prause bewußt provoziert haben, aber traurig dürften sie auch nicht darüber sein. So etwas kann man dramaturgisch gut ausschlachten.

Als erfahrener Bundestrainer hätte er aber mit mehr Sensibilität reagieren und die Gefahr erkennen müssen.Durch sein Verhalten schickt er seine Spieler "ins Feuer" und erhöht den psychischen Druck auf sie. Die Zuschauer werden noch gnadenloser auf jeden Fehler von Boll & Co. reagieren. Prause & seine Schützlinge werden so zum sportlichen Feindbild Nr.1. Andererseits kann so etwas ein Team auch pushen und zusammenschweißen und eine Trotzreaktion heraufbeschwören.

Für Prause ist sein unehrenhaftes Verhalten von der Sache her paradox. Einerseits könnte man sagen "viel Feind, viel Ehr", andererseits hat er seiner Mannschaft einen Bärendienst erwiesen. Es wird abzuwarten sein, wie der DTTB die Situation einschätzen wird und ob das Verhalten des Bundestrainers auch negative Reaktionen des chinesischen Publikums gegenüber dem im Land beliebten Timo Boll mit sich zieht und dieser quasi in "Sippenhaft" genommen wird. Darüber, ob sich jetzt auch noch Sponsoren des DTTB und Ausrüster einzelner Spieler melden, die durch die negative PR das eigene Image auf internationaler Ebene gefährdet sehen könnten, kann nur spekuliert werden. Auch Tischtennis ist eben Business und der asiatische Markt lockt. Das sind aber eigentlich nur Randerscheinungen, die für eine Entscheidung über die sportliche Zukunft irrelevant sein sollten. Doch man weiß ja nie, was sich hinter den Kulissen und auf Funktionärsebene abspielt.

Wenn die Situation wirklich so brisant ist, würde ich Richard Prause bei seinem nächsten Chinabesuch empfehlen, vorerst lieber ein saftiges Steak zu genießen, als Restaurants mit einheimischer Küche aufzusuchen. Vielleicht ist der Koch ein Fan der Tischtennisnationalmannschaft Chinas...

Ansonsten muss der DTTB die Krisenmanagerin Angela "beauftragen", die Angelegenheit im nationalen Interesse zu regeln.

Richard Prause soll trotz seiner Verfehlungen Bundestrainer bleiben, auch um China die Stirn zu bieten und als Demonstration von Stärke zu zeigen, wir lassen uns von euren Störversuchen nicht beeindrucken. Gravierende Fehler seinerseits sind gemacht worden, keine Frage. Er hat sie aber auch eingestanden - ob freiwillig oder unter Druck ist dabei egal. Eine angemessene Entschuldigung ist erfolgt, die aber nach meiner Auffassung von den chinesischen Funktionären aus strategischen Gründen sowieso keiner so wirklich annehmen wollte. Lieber lässt man die Muskeln spielen, um einen potentiellen Konkurrenten zu schwächen oder aus dem Feld zu schlagen. Die "Psychoduelle" werden weitergehen, Prause hat nur den ersten Brandsatz entfacht.

Gruß Red Devil
Alles in allem ein weitgehend gelungener Beitrag; ich kann nur nicht verstehen, warum unter der Hand der schwarze Peter immer den Chinesen zugeschoben wird.

Prauses Verhalten war und bleibt eine Katastrophe; ein Timo Boll wird sich seinen Teil dabei denken.

Auch daß das chinesische TT einen solchen 'Fall' dazu benutzt, um einen großen Konkurrenten zu 'stören', ist einigermaßen absurd, denn aus dem chinesischen Selbstverständnis heraus existiert dieser Konkurrent so gar nicht.

Ob in China diese Headline auch so erschienen ist:

"China Open: Ma Lin diesmal noch eine zu hohe Hürde für Dimitrij Ovtcharov".

Ich denke, das läßt sich angesichts dieses Ergebnisses wohl leicht beantworten:

"Dimitrij Ovtcharov - Ma Lin CHN 1:4 (-3,11,-2,-7,-5)"

Im übrigen:
Die Informationspolitik des DTTB grenzt an Verarschung. Zwei Tage nach dem Eklat, nach Pressekonferenz mit Entschuldigung erscheint auf der verbandseigenen Website NICHTS.

Hier bei TT-News muss der Verband keinerlei Stellung beziehen, aber daß ihm das in seinem Hausorgan nicht mal 'ne Pressemitteilung, geschweige denn 'ne Gegendarstellung wert ist, ist unglaublich.
Professionalität sieht anders aus.

Geändert von stefan.s (03.09.2007 um 10:20 Uhr)
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