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#61
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AW: Rate das Literatur-Zitat
Leute, Leute spielt denn hier keiner mit der Rübe!?
Ich "rate" mal wieder einfach :Louis Aragon - La Défense de l'infini (Le con d'Iréne) P.S.: Eigentlich wollte ich ja nicht mehr ...
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"Ich bin Jacks Medulla Oblongata. Ich regele Jacks Blutdruck, Herzfrequenz und Atmung." Geändert von TT-Noob (17.01.2007 um 22:29 Uhr) Grund: Zusatz angefügt |
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#62
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Zitat:
PS: Die Antwort stimmt natürlich
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´ Alle Wege münden in schwarze Verwesung.... .. (Georg Trakl) Geändert von Rieslingrübe (18.01.2007 um 15:46 Uhr) |
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#63
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In memoriam of René Crevel, Georg Trakl, Cesare Pavese, Klaus Mann, Kurt Tucholsky,
...nachdem unser guter Noob hier ja augenscheinlich mal wieder gelangweilt ausgestiegen ist, mach ich halt mit was gaaanz Leichtem weiter...
Aus dem Munde eines Deutschen Dichters; mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen: es gibt sogar einen User hier im Forum, dessen Familie mit diesem Erzähler und Lyriker weitläufig verwandt ist! - Der liebe Felix alias Telefonmann ist daher in diesem speziellen Fall selbstverständlich von der Teilnahme ausgeschlossen und darf auch keine Tipps geben :" Ach ja, ich kannte diese Erlebnisse, diese Wandlungen, die das Schicksal seinen Sorgenkindern, seinen heikelsten Kindern bestimmt hat, allzu gut kannte ich sie. (...) Oft genug in meinem so schwierigen, so verrückten Leben war ich der edle Don Quichotte gewesen, hatte die Ehre dem Behagen und den Heroismus der Vernunft vorgezogen. Genug und Schluß damit! Der Morgen gähnte schon durch die Scheiben, der bleierne verdammte Morgen eines Winterregentages, als ich endlich zu Bette kam. Ins Bett nahm ich meinen Entschluß mit. Ganz zu äußerst aber, an der letzten Grenze des Bewußtseins im Augenblick des Einschlafens, blitzte sekundenschnell jene merkwürdige Stelle des ....Büchleins vor mir auf, wo von den ´Unsterblichen´die Rede war, und damit verband sich die aufzuckende Erinnerung daran, daß ich manche Male und erst noch ganz vor kurzem mich den Unsterblichen nah genug gefühlt hatte, um in einem Takt alter Musik die ganze kühle, helle, hart lächelnde Weisheit der Unsterblichen mitzukosten. Das tauchte auf, glänzte, erlosch, und schwer wie ein Berg legte sich der Schlaf auf meine Stirn. Gegen Mittag erwacht, fand ich alsbald die geklärte Situation wieder, das kleine Büchlein lag auf dem Nachttisch und mein Gedicht; und freundlich kühl blickte aus dem Wirrsal meines jüngsten Lebens mein Entschluß mich an, über Nacht im Schlafe rund und fest geworden. Eile tat nicht not, mein Todesentschluß war nicht die Laune einer Stunde, er war eine reife, haltbare Frucht, langsam gewachsen und schwer geworden, vom Wind des Schicksals leis geschaukelt, dessen nächster Stoß sie zum Fallen bringen mußte. Ich besaß in meiner Reiseapotheke ein vorzügliches Mittel, um Schmerzen zu stillen, ein besonders starkes Opiumpräparat, dessen Genuß ich mir nur sehr selten gönnte und oft monatelang vorenthielt; ich nahm dies schwer betäubende Mittel nur dann, wenn körperliche Schmerzen mich bis zur Unerträglichkeit plagten. Zum Selbstmord war es leider nicht geeignet, ich hatte dies vor mehreren Jahren einmal ausprobiert. Da hatte ich in einer Zeit, als wieder einmal Verzweiflung mich umgab, eine hübsche Menge davon geschluckt, genug, um sechs Menschen zu töten, und es hatte mich doch nicht getötet. Ich schlief zwar ein und lag einige Stunden in vollkommener Betäubung, wurde dann aber, zu meiner furchtbaren Enttäuschung, durch heftige Zuckungen des Magens halb erweckt, erbrach, ohne ganz zu mir zu kommen, das ganze Gift und schlief wieder ein, um in der Mitte des nächsten Tages endgültig aufzuwachen, zu einer grauenhaften Nüchternheit, mit verbranntem, leerem Gehirn und fast ganz ohne Gedächtnis. Außer einer Periode von Schlaflosigkeit und lästigen Magenschmerzen blieb keine Wirkung des Gifts übrig. Dies Mittel kam also nicht in Betracht. Aber ich gab meinem Entschluß nun diese Form: sobald es mit mir wieder dahin kommen würde, daß ich zu diesem Opiat greifen mußte, sollte es mir erlaubt sein, statt dieser kurzen Erlösung die große zu schlürfen, den Tod, und zwar einen sicheren, zuverlässigen Tod, mit der Kugel oder dem Rasiermesser. Damit war die Lage geklärt - bis zu meinem fünzigsten Geburtstage zu warten - nach dem Rezept des ......Büchleins, das waren mir doch noch allzuviele Jahre. Sei es in einem Jahr oder in einem Monat, sei es morgen schon - die Pforte stand offen.. Ich kann nicht sagen, daß der Entschluß mein Leben stark verändert hätte. Er machte mich ein wenig gleichgültiger gegen Beschwerden, ein wenig unbesorgter im Gebrauch von Opium und Wein, ein wenig neugieriger auf die Grenze des Ertragbaren, das war alles.... Tiefer als alles andere aber beschäftigte mich jene Halluzination oder Vision an der Kirchenmauer, die verheißungsvolle Ankündigung jener tanzenden Lichtschrift, die mit Andeutungen des Traktates übereinstimmte. Viel war mir da versprochen worden, gewaltig hatten die Stimmen jener fremden Welt meine Neugierde angestachelt, oft sann ich lange Stunden ganz versunken darüber nach. Und immer deutlicher sprach dann die Warnung jener Inschriften zu mir: "Nicht für Jedermann!" , " Nur für Verrückte!". Verrückt also mußte ich sein und weit abgerückt von ´Jedermann´, wenn jene Stimmen mich erreichen, jene Welten zu mir sprechen sollten. Mein Gott, war ich denn nicht längst weit genug entfernt vom Leben jedermanns, vom Dasein und Denken der Normalen, war ich nicht längst reichlich abgesondert und verrückt? Und dennoch verstand ich im Innersten den Zuruf recht wohl, den Aufruf zum Verrücktsein, zum Wegwerfen der Vernunft, der Hemmung, der Bürgerlichkeit, zur Hingabe an die flutende gesetzlose Welt der Seele, der Phantasie. Eines Tages, nachdem ich wieder einmal vergeblich Straßen und Plätze nach dem Mann mit der Plakatstange abgesucht hatte und mehrmals lauernd an der Mauer mit dem unsichtbaren Tor vorbeigestreift war, begegnete ich in der Martinsvorstadt einem Leichenzug. Indem ich die Gesichter der Leidtragenden betrachtete, die hinter dem Sargwagen hertrottelten, war mein Gedanke: Wo in dieser Stadt, wo in dieser Welt lebt der Mensch, dessen Tod mir einen Verlust bedeuten würde? Und wo ist der Mensch, dem mein Tod etwas bedeuten könnte? Da war zwar Erika, meine Geliebte, nun ja; aber wir lebten seit langem in sehr loser Verbindung, sahen uns selten, ohne Streit zu bekommen, und zur Zeit wußte ich nicht einmal ihren Aufenthaltsort. Sie kam zuweilen zu mir, oder ich reiste zu ihr...aber würde sie nicht vielleicht aufatmen und sich erleichtert fühlen, wenn sie meinen Tod erführe? Ich wußte es nicht, wußte auch nichts über die Zuverlässigkeit meiner eigenen Gefühle. Man muß im Normalen und Möglichen leben, um über solche Dinge etwas wissen zu können...."
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´ Alle Wege münden in schwarze Verwesung.... .. (Georg Trakl) |
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#64
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AW: Rate das Literatur-Zitat
Zitat:
P.S.: Finde seine Gedichte aber besser als seine Romane ... P.P.S.: Falls ich richtig liegen sollte, such ich auch mal wieder ein Zitat!
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"Ich bin Jacks Medulla Oblongata. Ich regele Jacks Blutdruck, Herzfrequenz und Atmung." |
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#65
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Zitat:
![]() PS: Ich persönlich kann allerdings erst im Februar hier wieder eingreifen; werde (im Forum) die nächste Zeit also nichts riskieren und mich daher - zumindest bei TT-News - auch nicht blamieren... PS II: Eine (Adoptiv-)Tochter der Familie Hesse hat (wenn Ich mich richtig erinnere) übrigens seinerzeit in die Familie Gramlich eingeheiratet : Telefonmann = Felix Gramlich
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´ Alle Wege münden in schwarze Verwesung.... .. (Georg Trakl) Geändert von Rieslingrübe (20.01.2007 um 10:11 Uhr) |
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#66
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Zitat:
" Dir gefallen die absoluten Dinge? Du kannst keine totalitäre Liebe zustande bringen? - Dann strebe nach totalitärer Güte! (....) Erörterung eines Verliebten: wäre ich tot, so würde sie fortfahren zu leben und zu lachen und ihr Glück zu machen. Aber mich hat sie versetzt, und fährt fort zu leben und zu lachen usw. Also bin ich so gut wie tot. (....) Du bist nicht fähig gewesen, deinem Leben einen Damm zu setzen, und willst das anderer in Kanäle einschließen und beschreiben? Du vergißt immer, daß du als Sklave geboren bist. Dir scheint immer, es geschehe dir Unrecht. Aber kann einem Sklaven Unrecht geschehen? Die Güte, die entsteht, weil man zu matt ist, zu leiden, ist ein Greuel, schlimmer als das Leiden. "
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´ Alle Wege münden in schwarze Verwesung.... .. (Georg Trakl) Geändert von Rieslingrübe (06.02.2007 um 18:13 Uhr) |
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#67
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....es handelt sich hier um Tagebucheintragungen des Autors zwischen den Jahren 1935 und 1950...weil's mir grad so gefällt, noch 'n paar weitere Auszüge daraus:
5. Februar An die Dinge glauben heißt: etwas bestehen lassen nach dem eigenen Tode, und im Leben die Befriedigung haben, in Berührung zu kommen mit dem, was noch nach uns bestehen wird. Aber befriedigt es uns, zu denken, daß die Dinge früher als wir existierten, und daß wir, indem wir leben, in Berührung kommen mit dem, was früher war? Dieselbe magere Befriedigung werden wir haben, nachdem wir tot sind, indem wir wissen, daß etwas fortfährt zu sein.. 5. Juni Der Schmerz bewirkt, daß man in einer verzauberten, verträumten Sphäre lebt, worin die alltäglichen banalen Dinge eine Bedeutung annehmen, die furchterregend und ´thrilling´ ist, nicht immer unangenehm. Er gibt das Bewußtsein einer Trennung zwischen der Wirklichkeit und der Seele; er hebt uns in die Höhe und läßt uns das Wirkliche und unsern Körper nur flüchtig sehen wie etwas zugleich Entferntes und Sonderbares. Dies ist seine erzieherische Wirkung... 19.September Was uns auch immer geschehen mag - verdienen wir Besseres ? Immer sich begnügen, da zu sein... 7. Oktober Wenn wahre innere Fortschritte nur die Kenntnisse sind, die mit Dingen zusammenfallen, die wir schon wußten, dann zählt nichts in uns als das Unbewußte, und dann ist hier unsere wahre Anlage und Art... 10. November Die große Aufgabe des Lebens: sich rechtfertigen. Sich rechtfertigen heißt: einen Ritus zelebrieren. Immer. Jedoch: nur die Einzigartigkeit rechtfertigt; jener absolute Wert, der uns über alle Nebensächlichkeiten stellt...
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´ Alle Wege münden in schwarze Verwesung.... .. (Georg Trakl) |
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#68
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AW: Journey Through The Past (Neil Young)
Zitat:
@Zitat von Rieslingrübe Erst seine Todessehnsucht verurteilen und sich dann doch selbst richten ... @Rieslingrübe Mein versuchter Tipp: Cesare Pavese - Il mestiere de vivere
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"Ich bin Jacks Medulla Oblongata. Ich regele Jacks Blutdruck, Herzfrequenz und Atmung." |
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#69
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Warten auf Godot...
Zitat:
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´ Alle Wege münden in schwarze Verwesung.... .. (Georg Trakl) |
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AW: Warten auf Godot...
Quod erat exspectandum ...
![]() Hier aber mal wieder ein Zitat: Der Autor hat noch "v.Chr." gelebt. Einen kurzen Hinweis, in welcher Sprache er geschrieben hat, ist hier auch schon enthalten. Der Text aus dem die Passagen übernommen worden sind, zählt zu seinen philosophischen Schriften. "Oder wegen der Dummen? Doch erstens hatte sie keinen Grund, sich um die Schlechten verdient zu machen. Zweitens: Was hat sie damit erreicht, da doch alle Dummköpfe zweifellos höchst bedauernswert sind, gerade weil sie dumm sind - was können wir nämlich als ein größeres Unglück bezeichnen als die Dummheit? -, und da schließlich das Leben so viele Unannehmlichkeiten bereithält, dass die Weisen diese zwar durch Annehmlichkeiten auszugleichen und zu mildern vermögen, die Dummen hingegen weder in der Lage sind, ihr Kommen zu vermeiden noch ihre Gegenwart zu ertragen." "Weil man aber dem nicht zustimmen kann, scheint der unverhüllte Geist, der mit nichts verbunden ist, was empfinden könnte, das Begriffsvermögen unseres Verstandes zu übersteigen." und ein Letztes, "Wir werden von einem Mann verspottet, der nicht gerade witzig ist, sondern sich vielmehr die Freiheit herausnimmt zu schreiben, wie ihm der Sinn steht." Zitat:
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"Ich bin Jacks Medulla Oblongata. Ich regele Jacks Blutdruck, Herzfrequenz und Atmung." |
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