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Alt 27.08.2016, 20:05
Simon Simon ist offline
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AW: Rücktritt Jörg Roßkopf, Bundestrainer feuern? Katastrophale Leistungen Nationalte

Es muss endlich mal dieses Tischtennis-ach-wie-sind-wir-alle-schockiert-und-entrüstet-wenn-einer-mal-Klartext-redet-Denken aufhören!

Man wird immer an seinen eigenen Ansprüchen, Zielen und Aussagen gemessen. Wer sagt "Wir sind die Chinesen Europas", wer sagt, dass er bei Weltmeisterschaften oder Olympia China angreifen möchte und man an seine Chance glaubt (also auch tatsächlich selber eine realistische Chance sieht Ma Long, Zhang Jike, Xu Xin und Fan Zhendong zu schlagen!), dem muss man dann einfach nach Jahren der Erfolgslosigkeit (gemessen an diesen eigenen hohen Ansprüchen!) den Spiegel vorhalten und sagen, dass man auf kompletter Linie versagt hat.

Das Abschneiden der DTTB-Herren bei den Turnieren EM 2014, EM 2015, European Games 2015, WM 2016 und Olympische Spiele 2016 kann man schönreden, wenn davor der Anspruch und entsprechend definierten Ziele waren: "Natürlich ist China überragend und für uns und alle anderen fast unmöglich zu schlagen. Aber dahinter sind wir auf Augenhöhe weltweit mit Japan und Südkorea und in Europa in direkter Konkurrenz vor allem mit Portugal und Österreich. Unser Ziel ist daher bei allen kontinentalen und globalen Titelkämpfen, wie auch in Rio 2016 um die Medaillen zu spielen. Dies trauen wir uns auch zu, unterschätzen aber auch nicht andere Teams, denn Nationen wie Hongkong, Singapur, Taiwan, England, Schweden und Frankreich schlafen natürlich auch nicht. Wenn wir nicht durch Verletzungen beeinträchtigt sind, muss unser Anspruch in Europa der Titel sein und wenn wir nicht vorher auf China treffen, haben wir auch bei globalen Events die Chance ins Finale zu kommen. Da wir unter normalen Voraussetzungen dazu in der Lage sind, muss das auch unser Ziel sein.
Sollten wir die anderen Nationen hinter uns lassen, dann verstecken wir uns natürlich auch im Finale nicht, sondern glauben an unsere Chance gegen China, auch wenn sie noch so klein ist und werden als krasser Außenseiter frei aufspielen."


Wenn man seit Jahren Ansprüche und Ziele so formuliert hätte, offensiv, titelhungrig, aber auch realistisch, dann hätte man mit den Leistungen der letzten Jahre gut leben können. Aber von den "Chinesen Europas" muss man wesentlich mehr erwarten. Sehr viel mehr. Und wenn 1-2 Spieler ausfallen, dann rücken eben 1-2 nach, ohne dass was passiert, denn sonst ist man eben weit entfernt "die Chinesen Europas" zu sein.

Nach den Leistungen 2014 und 2015 backt man beim DTTB sicherlich in 2016 kleinere Brötchen und wir auch die Ziele für die WM 2017 in Deutschland sehr vorsichtig und sorgfältig formulieren.
Aber da dies vorher nicht so und "Die Chinesen Europas" für diese Verhältnisse in den letzten drei Jahren ganz schön vorgeführt wurden, muss aber dann auch mal Klartext gesprochen werden!

Tischtennis möchte nicht im Bereich von Sportarten angesiedelt sein, irgendwo zwischen Badminton und Schwimmen und den Sportschützen und Reiten, wo Tischtennis einfach hingehört, sondern träumt von einer Popularität wie beim Fußball und Handball.
Aber mit den Schattenseiten dieser populären Sportarten möchte man nicht leben.

Wenn Rafael van der Vaart seine damalige Ehefrau Sylvie van der Vaart (jetzt Meis) mit der Ex-Frau (Sabia) von Khalid Boulahrouz betrügt, dann geht das wochen- und monatelang durch die Presse und wird in jeder TV-Sendungen ausgeschlachtet.
Wenn aber Torben Wosik's damalige Ehefrau Elke Schall (geborene Schall, dann Wosik, dann wieder Schall, jetzt Schall-Süß) mit dem damaligen Nationalmannschaftskollegen Christian Süß fremd"pimpert" (den sie ja dann immerhin später geheiratet hat), dann ist das ein riesiger Skandal wenn man darüber redet oder schreibt. So etwas muss man im Tischtennis natürlich aus Pietätsgründen totschweigen, so etwas ist "privat". Also sind Tischtennis (deutsche) Nationalspieler keine Personen des öffentlichen Lebens, keine Stars in der Öffentlichkeit, die von allen Seiten beleuchtet werden (in China geschieht das mit deren Nationalspielern natürlich schon), sondern in Deutschland darf man sich nur mit der sportlichen Seite befassen, alles andere ist tabu.

Und so ist das auch wenn es um den Bundestrainer Jörg Roßkopf geht. Das ist unerhört und ein Skandal wenn man seinen Kopf fordert. So etwas darf man allerhöchstens am Stammtisch hinter vorgehaltener Hand sagen. Aber auf keinen Fall in einem öffentlichen Forum. Wer so etwas sagt, soll am besten gleich seinen vollständigen Namen sagen mit Adresse, e-mail und Telefon, außerdem dann auch den Anstand haben, das dem Jörg Roßkopf persönlich sagen.

Man mag alle Vorteile von Fußball, Handball und Co. haben, aber nicht die Begleiterscheinungen und Nachteile.

Im Fußball wäre der Kopf von Jörg Roßkopf gerollt! Der wäre in der Sportbild viergeteilt worden, im DSF- bzw. Sport1 Doppelpass Talk auseinander genommen worden und vom Hof gejagt worden.
Der DFB-Präsident (oder wenn er in der Fußball Bundesliga gefeuert worden wäre, dann der Manager oder Sportdirektor) hätte das bedauert, hätte betont was der Rossi doch für ein anständiger und kompetenter Kerl ist und dass die Mannschaft gerne mit ihm weiter gemacht hätte, aber dass er in der letzten Zeit nicht mehr richtig an die Mannschaft rangekommen wäre, man deshalb neue Akzente hätte setzen müssen und das eben die bekannte Maschinerie wäre, die dann in die Gänge kommt, die Mühlen die dann einsetzen und man deshalb keine andere Möglichkeit mehr hatte, als sich im gegenseitigen Einvernehmen...

...kurz um: Gefeuert!

Nicht von der Popularität von Fußball und Handball träumen, aber die Spieler und Trainer in Watte packen, sondern mit allen Vor- aber auch Nachteilen zu echten Stars aufbauen.

Und deshalb sage ich: Roßkopf gehört gefeuert! Auch wenn er für einige Dinge nichts kann, die definierten Ziele wurden nicht erreicht, die eigenen Ansprüche nicht erfüllt, also Schlussstrich! Es interessiert keine Sau, wenn bei Bayern München, Real Madrid, FC Barcelona, Chelsea, Manchester United, Manchester City, PSG Paris, Inter Mailand, AC Mailand oder Juventus Turin zwei Jahre lang die Saisonziele nicht erreicht wurden, weil immer in den entscheidenden Situationen Leistungsträger verletzt waren, sondern dann fliegt der Trainer raus. Oder wollen sich "Die Chinesen Europas" nicht mit diesen europäischen Topclubs vergleichen, sondern wollen dann doch lieber wie Union Berlin, der FC Augsburg oder Freiburger Sportclub sein? Da akzeptiert man noch eher, wenn der Trainer an sich gute Arbeit macht, aber unter dem Strich trotzdem nichts raus kommt.

Die goldene Generation mit Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov und Ergänzungsspielern die in ganz Europa die Nr. 1 oder 2 im Land wären, wurde verbummelt, vertrödelt, verbockt. So eine Chance mit zwei TOP10 Spielern kommt vielleicht nie mehr.

Jörg Roßkopf soll seinen Hut nehmen. Soll er Sportvorstand werden beim DTTB oder Cheftrainer aller Nationalmannschaften, aber an die Front bei den Herren muss jetzt ein harter Hund ran, der sich Ovtcharov, Boll und den Rest zur Brust nimmt.
Wenn sie keinen finden, dann soll Helmut Hampl bis nach der WM 2017 übernehmen. Bis dahin hätte ein Chinese wie Chen Qi oder Wang Liqin seinen Deutschkurs abgeschlossen, der dann den besten Deutschen internationale Wettkampfhärte auf chinesischem Niveau bei bringt. Oder ein internationaler Trainer wie die hier genannten:

Zitat:
Zitat von ToniG Beitrag anzeigen
Wäre ein Trainer wie Ferenc Karsai oder Mario Amizic Bundestrainer, dann wäre eine ganz andere Distanz da. Oder da gibt es doch noch andere Trainer aus dem Ausland, Peter Sartz, Ulf Tickan Carlsson oder Michel Blondel.
Meiner Meinung nach wäre die Situation dann ganz anders und ich wage auch zu behaupten, dass dann einiges anders gelaufen wäre. Nicht nur während der großen Turniere, sondern auch dazwischen und im Umfeld. Es ist zum Beispiel auch ein Unding, wie oft die deutschen Spieler krank oder verletzt sind, das kann einfach kein Zufall mehr sein.
Als Trainer reicht es in der heutigen Zeit doch nicht, Übungsleiter zu sein, Übungen vorzugeben, in der Halle zu korrigieren und noch ein bisschen aus der Ballwanne Bälle zuzuspielen.
Moderne Trainer müssen mehr auf dem Kasten haben. Im Nationalmannschaftsbereich vielleicht nicht so viel wie in Profivereinen, wo der Arm des Trainers bis ins Management reinreichen muss (man sieht es an Fußball Proficlubs wo Trainer wie Mourinho, Magath usw. eher Sportdirektor sind und Training und Management des Teams koordinieren). Aber was auch im Nationalmannschaftsbereich gegeben sein muss, das ist, dass der Trainer alles rund um die Nationalmannschaft so optimiert, dass seine Mannschaft in bestmöglicher Verfassung ist. Dazu gehört auch der medizinische Bereich. Warum hat sich Pep Guardiola (zurecht oder nicht zurecht) mit Dr. Müller Wohlfahrt in München angelegt angelegt und spanische seines Vertrauens Ärzte bevorzugt? So etwas muss einen Trainer interessieren! Wenn in der deutschen Tischtennis Nationalmannschaft seit Jahren Spieler mental oder körperlich nicht fit sind, dann muss Jörg Roßkopf mit aller Gewalt diese Ursachen abstellen, alleine schon weil sonst sein Kopf rollt (rollen sollte).

Im Fußball und Handball ist das normal, ob das immer so gut ist, sei mal dahin gestellt, aber wenn es da nicht nach Plan läuft, dann fliegt als erstes der Trainer. Wenn man im Tischtennis den Kopf des Trainers fordert, ist man gleich der Buhmann.

Übrigens mal gar nicht davon zu sprechen, dass Tischtennis immer davon träumt, in der Öffentlichkeit einen Status zu bekommen wie die beliebten Teamsportarten Fußball, Handball, Basketball oder Volleyball, macht es aber alles dafür, sich immer mehr zu einer reinen Einzelsportart zu machen, in dem Mannschaftsgrößen in der 1. Bundesliga im Laufe der Jahre von 6 über 4 auf nur noch 3 Spieler pro Team reduziert wurden, der Doppelwettbewerb bei Olympia und der TTBL gestrichen wurde und das Mixed sowieso fast vollständig ausradiert wurde (jetzt noch bei der WM streichen, falls noch nicht geschehen, dann ist das Mixed komplett tot). Aber das ist ein (interessantes) anderes Thema.

Wenn man Ansprüche und Ziele der letzten Jahre zugrunde legt, dann trifft das hier den Nagel exakt auf den Kopf:
Zitat:
Zitat von Bochum light Beitrag anzeigen
Zitat:
Zitat von Turboblock Beitrag anzeigen
normal wird dann ein jeder an den nicht erreichten zielen gemessen (bei rossi sogar 2 mal hintereinander) so wäre es zumindest der normale vorgang.
Zweimal? Fünfmal!

Zitat:
Zitat von ToniG Beitrag anzeigen
In allen anderen Sportarten hätte das personelle Konsequenzen und der Bundestrainer wäre gefeuert worden.

EM 2014 verkackt, EM 2015 verkackt, European Games 2015 verkackt, WM 2016 verkackt!
Zitat:
Zitat von Bochum light Beitrag anzeigen
Olympische Spiele 2016 verkackt!
Das war jetzt das fünfte Großevent in den Jahren 2014, 2015 und 2016, das in die Hose ging. Die Niederlagen von Ovtcharov im Einzel gegen Samsonov und von Boll im Einzel gegen Aruna Quadri können selbst mit Olympia-Bronze nicht mehr gerade gebogen werden. Und Bronze müssen sie ja auch erstmal holen!

Da muss man sich dann tatsächlich darüber Gedanken machen:

Zitat:
Zitat von ToniG Beitrag anzeigen
Deutschland hat die besten Bedingungen in Europa und ständig ist jemand außer Form, verletzt, krank oder kann dem Druck nicht standhalten. Da kann es einfach in der Gesamtbetreuung nicht stimmen. Man kann ja einmal Pech haben, aber es ist ja ständig etwas im Argen.
Und gerade über den letzten Absatz muss man sich ganz besonders Gedanken machen, wenn man das Debakel jetzt bei den Jugend Europameisterschaften erlebt hat. (Sehenswert hier und vor allem hier).

Wenn ich Nationaltrainer der Herren wäre, dann würden mich alle Altersklassen im männlichen Bereich interessieren und ich würde darauf einwirken, denn das sind die kommenden Generationen, mit denen ich als Herren-Bundestrainer arbeiten müsste. Auch hier muss man viel mehr Sportdirektor sein als nur Übungsleiter und Coach, da muss man einfach über seinen eigenen Tellerrand rausschauen.

Da muss dringend etwas geschehen.

Ich bleibe dabei: Im Hinblick auf die WM 2017 in Deutschland und das vermutlich letzte gemeinsame Auftreten der gesamten goldenen Generation besteht jetzt dringender Handlungsbedarf und man muss ein Zeichen setzen!

Was denkt ihr, wie bei Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll die Glocken klingeln, wenn die am Dienstag um 13:00 Uhr in die DTTB-Zentrale gerufen werden und sie bekommen dort mitgeteilt, dass Jörg Roßkopf gefeuert wurde und mit sofortiger Wirkung (ich nehme einen der oben genannten als Beispiel) Peter Sartz das Ruder übernimmt, der auch direkt im Anschluss eine Ansprache halten wird.
Erste Amtshandlung: Urlaub ist um zwei Tage gekürzt, Spieler werden direkt übermorgen zu einem Athletiklehrgang ins Höhentrainingslager nach Bad Salz-Quälixhausen beordert, Freistellung dafür ist bereits mit ihren Vereinen abgeklärt, wo 8 Tage intensiv an der Fitness und Belastbarkeit gearbeitet wird, als Gasttrainer wird Felix Magath dabei sein und zwei Tage übernehmen. Boll bekommt direkt einen Einlauf, dass das geruhsame Leben jetzt vorbei ist (ich habe hier ganz unten gelesen, dass er fast gar nicht in Düsseldorf trainiert, sondern fast nur alleine in seiner Halle in Höchst mit eingeladenen Trainingspartnern!) und er jetzt 10 Monate lang alles der WM 2017 in Deutschland unterordnen muss und man jetzt dafür sorgen wird, dort den "fittesten Boll aller Zeiten" zu präsentieren.
Außerdem dass man jetzt bei allen Spielern mindestens die nächsten 12 Monate entscheiden wird, wo und was genau (Turniere, Ranglisten, Events, Spiele) sie spielen werden und was nicht.
Dann rattert es aber mal im Karton und die Spieler wissen alle welche Stunde es jetzt geschlagen hat.
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